Verband will Levermann nicht

übernommen von der Märkische Oderzeitung vom 16.10.2012

Zoff mit Bundestrainer kostet Frankfurter Ringer-Coach den Job

Frankfurt (Oder) (MOZ) Eine Personalie sorgt derzeit für Unruhe am Olympiastützpunkt in Frankfurt (Oder). Der Deutsche Ringer-Bund lehnt eine weitere Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Trainer des hiesigen Bundesstützpunktes, Jörn Levermann, ab und stürzt damit den OSP und den Landesverband in ein Dilemma.

Die Rede ist von einem „gravierenden Misstrauen“, das bereits vor den Olympischen Spielen in London im Verhältnis zwischen Jörn Levermann auf der einen sowie den beiden verantwortlichen Bundestrainern Jannis Zamanduridis und Maik Bullmann auf der anderen Seite entstanden und zuletzt noch eskaliert sein soll. Das Präsidium des Ringerbundes hat daraufhin entschieden, dass es keinerlei Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem 54-Jährigen gibt.

Für Wilfried Lausch, als Leiter des OSP Brandenburg neben dem Ringerbund verantwortlicher Dienstherr von Levermann, eine überraschende und so nicht nachzuvollziehende Vorgehensweise. „Zumal mir trotz Nachfrage bisher keine triftigen Gründe vom DRB genannt wurden. Ich kann nicht verstehen, wie man einen so erfahrenen Trainer einfach ausbootet.“

Etwas mehr Licht ins Dunkel bringt Günter Kreckl. „Für Außenstehende ist die Situation in der Tat nicht nachvollziehbar“, sagt der Präsident des Landesverbandes. „Aber ,Johnny‘ Levermann und die beiden Bundestrainer können schlichtweg nicht miteinander. Das ist keine Frage von Schuld oder nicht – das ist einfach manchmal so im Leben.“ Alle Gespräche mit dem DRB hätten nichts gebracht. Der Verband blieb bei seiner Entscheidung.

Kreckl gibt zu, dass er sich in letzter Zeit mehrfach Anfeindungen hat anhören müssen, weil er sich zu schnell dem Ansinnen des DRB gebeugt und Levermann, dessen Vertrag als Bundesstützpunkt-Trainer ohnehin am 31. März ausgelaufen wäre, damit habe fallen gelassen. „Dem ist nicht so. Wir wollen auf die Erfahrung von Herrn Levermann nicht verzichten. Daher haben wir ihm eine Stelle als Landestrainer angeboten. Er wäre sonst ab April arbeitslos geworden.“ Nach Aussage von Kreckl hat der Coach, der derzeit krank ist, auch bereits zugesagt.

Wer seine Nachfolge am Bundesstützpunkt antreten wird, ist offen. Die Trainerstelle wird je zur Hälfte vom Land Brandenburg über den OSP und vom Bund über den DRB finanziert. Der Landesverband muss nach Aussage von Lausch bis zum
20. Oktober eine Konzeption vorlegen, erst danach werde über die Mittelvergabe entschieden.

Das Ringerzentrum in Frankfurt gilt als das am besten ausgestattete in Deutschland. Allerdings blieben die sportlichen Erfolge in der jüngsten Vergangenheit dünn gesät. Einzig der Junioren-EM-Titel des Eisenhüttenstädter Levermann-Schützlings Christian John im Juni verbreitete ein wenig Glanz. Für Olympia in London konnte sich kein Athlet qualifizieren. Und die letzte internationale Medaille bei den Männern liegt auch schon drei Jahre zurück. 2009 gewann Schwergewichtler Nico Schmidt EM-Bronze.

Jürgen Leibner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.